Wo soll ich nur
anfangen… Eigentlich bevorzuge ich es, lieber neue Orte zu entdecken, als zu
alten zurückzukehren. Es gibt nur wenige Ausnahmen und Bhutan führt diese an.
Nachdem ich mein
Volontariat in München beendet habe, zog es mich wieder in dieses einzigartige
Land – und wieder einmal durch Laya Tours und Treks. Beate, die Chefin, hatte
mich angefragt, ob ich noch einmal kommen würde, um an der neuen Website zu
arbeiten. Etwas Besseres hätte ich mir fast gar nicht vorstellen können. Nach
einigen privaten Rückschlägen war es die beste Option, Abstand von allem zu
gewinnen und meinem Kopf und meiner Seele eine Pause zu gönnen. Sie haben einen
Monat dafür Zeit. Und mehr als die Hälfte ist schon um.
In Paro
angekommen war ich bereits so entspannt, dass es mich nicht großartig störte,
dass Aeroflot es nicht hinbekommen hat, mein Gepäck mit mir zusammen zu
transportieren. Beate hatte mich abgeholt und erst einmal zu sich gebracht. Es
war der 15. April. William und Kate waren gerade in Bhutan. Spaßeshalber wollte
ich mit meiner Chefin auf Promi-Jagd gehen (in Deutschland ist das nicht mein
Fall, aber in Bhutan gelten andere Gesetze ;) ). Wir wussten, dass die Royals
am Morgen zum berühmten Taktsang Kloster gehen wollten. Dank Twitter konnte ich
in etwa die Uhrzeit herausfinden. Wir liefen zur Straße, die zum Kloster führt.
Wir waren die Einzigen, Beate auf der einen Seite, ich auf der anderen. Und ein
paar Minuten später rollte ein Konvoi an Fahrzeugen an uns vorbei. Ich wusste
nicht, in welchem dieser Autos die Royals saßen. Doch dann: ein Blick, ein
schnelles Winken von William und alles war vorbei. So schnell konnte ich nichts
mit der Kamera festhalten. Aber das war schon eine nette Begrüßung für den
ersten Tag J
| Auf dem Spaziergang danach.... |
| Drukgyel-Dzong |
| Deie einzige Verkehrsregelung in Thimphu |
Nach 1,5 Tagen
hatte ich dann auch meinen Rucksack wieder. Die Folgetage waren etwas ruhiger,
zum teil erzwungenerweise wegen diversen Stromausfällen. Wir sind mit den
mittlerweile 9 Hunden von meiner Chefin spazieren gegangen, haben erste Dinge
für die Website in Angriff genommen und den Alltag gelebt. Wir sind nach
Thimphu, in die Hauptstadt gefahren, um einzukaufen und leckeres Zeug in einer
Bäckerei zu essen. Es schien sich nicht allzu viel verändert zu haben. Ein paar
neue Häuser hier und da, aber die teils eigenwillige Mentalität und Gebräuche
sind gleich geblieben. Die Leute lächeln mich meistens immer noch an, zocken
mich nicht auf dem Markt ab und lassen sich bereitwillig von mir ablichten. Ich
musste mir ja nach dem Klau meiner Digitalkamera in der letzten Nacht in Buenos
Aires ein neues Exemplar zulegen. Es hat tatsächlich über ein Jahr gedauert,
bevor ich mich dann für die Panasonic dmc fz200 entschieden hab. Ob es die
richtige Wahl war, wird sich noch zeigen ;)
| Einkaufsstraße in Thimphu |
Angekommen
Ich wollte mich
u.a. mit einer Blumenkohlcremesuppe revanchieren. Doch der Pürrierstab war
nicht mehr da und so musste ich improvisieren. Damit aus den Blumenkohlröschen
etwas mehr wurde als Gemüse in Sahnesuppe, zerdrückte ich händisch alle
Einzelteile mit einer Tasse im Topf. Leider nicht super erfolgreich. Hat mich
etwas geärgert, kann ich die doch recht gut kochen. Geschmeckt hat es am Ende
trotzdem, auch wenn recht viel zu kauen war. Werde mich mit ordentlichen
Eierkuchen beliebt machen.
| Mein erster Marktbesuch |
Bhutanesische Logik
Einmal bin ich
zum Mittagsessen zurück zu Beates Haus mit dem Fahrrad gefahren, welches mir
zur Verfügung gestellt wurde. Kaum das Haus verlassen wurde ich am Kreisverkehr
von einem Polizisten angehalten. Es sei nicht erlaubt, ohne Helm zu fahren.
Sofort kamen mir die Bilder in den Kopf, wie ich Einheimische nachts weder mit
Helm nocht mit Beleuchtung auf den Straßen hab gesehen. Ich erzáhlte das auch
so dem Herren. Natürlich sagte ich noch, dass ich das nicht gewusst hatte, was
der Tatsache entsprach (bei meinem
ersten Besuch hatte das auch niemanden gestört). Der Polizist antwortete
Folgendes: in der Stadt bestehe Helmpflicht, auf der Schnellstraße außerorts
nicht. Woraufhin ich meinte, ob das nicht vollkommen simmlos wäre, fahren auf
den Straßen außerorts (mit einigen Ausnahmen) alle viel schneller. Daraufhin
wusste er nix mehr zu sagen und ich durfte weiterfahren. Ohne Helm
stadtauswärts.
| Paro Dzong |
| Paro Dzong by night |
Mit dem Verkehr
verhält es sich sowieso sehr besonders in Bhutan. Erst einmal herrscht
Linksverkehr. Hatte ich nach 1,5 Wochen schon auf dem Rad verinnerlicht. Dann
wird alles, was übberholt wird, angehupt.
-Langsame Autos blinken nach links,
wenn man sie rechts überholen soll. Dabei sollte man aber darauf achten, ob
nicht doch ein Auto vorn der anderen Fahrbahn kommt. Wäre aber auch nicht
weiter schlimm, müsste das halt bremsen.
-Liegt ein
Hindernis auf der Straße hält nicht das Auto an, auf dessen Fahrbahn es liegt,
sondern derjenige, der eben langsamer am Hindernis ist.
-Straßenschilder
sind im Vergleich zu Deutschland sehr selten. Wenn mal eine
Geschwindigkeitsbegrenzung gegeben wird, wird diese meist nicht wieder
aufgehoben.
-Wenn sich ein
staatliches Auto mit Blaulicht nähert, muss man anhalten, egal auf welcher
Straßenseite (könnte ja der König drin sitzen).
-mit Licht wird
bis zum Schluss gespart
-Anschnallen ist selten
-zwischen Paro und Thimphu gibt es viele nützliche Hinweise wie
''for carefully arriving no liquor in driving''
''on the bend go slow my friend''
''if you are married divorce speed''
''beep beep don't sleep''
''this is highway not runway''
''speed kills but thrills''
When the lights go
down...
…Dann ist es
Zeit, das Nachtleben Paros mit seinen ca. 15.000 Einwohnern zu testen. Bei
meinem ersten Aufenthalt bin ich dazu leider nicht gekommen. Einer unserer
Guides hatte mir erzählt, dass es am Mittwoch eine Ladies Night in einem Club
gibt. Da musste ich natürlich meine Kolleginnen gleich dazu nötigen, mit mir
dahin zu gehen. Da beide eher nicht so die Partybienen waren, wussten wir nicht
recht, wann wir losgehen sollten. 21.30 war definitiv zu früh, auch wenn der
Club Mitternacht bereits dann wieder schließen sollte. Wir waren die einzigen
im Club, der mir recht gut gefiel. Im Keller eines Hauses, gutes Lichtdesign,
Ventilatoren, Musikanlage ok, Preise super ok :D
Da wir aber dort
nicht auf andere Leute warten wollten, gingen wir noch zu einer Bar. Ich wollte
die Mädels auf eine Whiskey-Cola einladen, aber sie wollten nicht. So trank ich
ein bisschen aus der 300ml Flasche Cola ab, ließ mir einen Short lokalen
Whiskeys einfüllen (kostete zusammen keinen Euro) und dann setzen wir uns davor
und redeten ein bisschen.
Bis wir
empfanden, dass es Zeit war, noch einmal zum Club zu schauen. Es war 22.30, wir
waren immer noch die einzigen, entschieden aber, unten zu bleiben. Es lief
R’n’B Musik aus der Dose. Kurze Zeit später stürmte eine Mádelsgruppe die
Tanzfläche und wir mit. Peu á peu wude es voller und auch die Musik wurde bis
auf vereinzelte indische Hits meines Erachtens besser (da elektronischer). Am
Ende war die Bude voll, so wie manche seiner Besucher. Diese waren es auch, die
uns angequatscht haben. Ich war die einzige Ausländerin. Es gab noch einen
anderen nicht-bhutanesischen Typen, dessen Kumpels meinten, dass wir beide mal
miteinander reden sollten und die ihn daraufhin auf mich geschubst haben. Sind
wir in der 5. Klasse? Ich war sichtbar not amused und kurze Zeit später sind
wir dann auch gegangen. Draußen saßen Frauen, die Porridge und Tee verkauft
haben, die Alternative zu Döner und Zuckergetränken in Deutschland :D. Trotzdem war der Abend super und ich hatte
eine Menge Glücksgefühle: Ich, tanzend zur Ladies Night in Bhutan unter
Bhutanern.
Auf gewohnten Wegen
| Meine Kolleginnen und ich :) |
Ich war wieder mal die einzige Ausländerin. Alle Augen richteten sich auf mich, als ich das Tor zum Tempel betrat. Ich lief bis direkt vor das Haus, in dem die Mönche beteten und fragte einen von ihnen, ob es möglich wäre, dass ich wieder mit hoch ins Zimmer könnte. Und ich konnte.
Murmelnde Gebete begrüßten mich. Ca. 40-50 zum größten Teil junge Mönche in roten Roben saßen in Reih und Glied im Schneidersitz auf dem Boden und summten ihre Mantras. Die Blicke richteten sich zu mir, alles andere blieb, wie es war. Die Mönche waren - mit Unterbrechungen - bereits seit 7 Uhr hier. Ich setzte mich im ebenfalls im Schneidersitz in die Ecke neben einen jungen Mönch. Ja keine Berührung! Und lautschte. Und lauschte. 12 Uhr Mittagspause und ich musste den Raum verlassen. Da es gerade in Strömen anfing zu regnen, musste ich auch heute die Radtour canceln. Ich bin erst einmal nach Hause, hab gegessen und ein Nickerchen gemacht. Und bin dann wieder ins Kloster.
| Essen wird vorbereitet |
Dann gab es eine Runde Tee, Reis und heiliges Wasser. Auch mir wurde alles angeboten. Auf den Reis habe ich verzichtet, den Tee und das Wasser habe ich angenommen. Es gab wieder eine kurze Pause und ich wollte wirklich gehen. Bin dann auf dem Gelände mit den Mönchen ins Gespräch gekommen und wurde quasi zu ihnen in den Dzong eingeladen. Mal schauen, ob ich das noch realisieren kann. Es ging wieder weiter, dieses Mal mit Instrumenten. Mist, das habe ich am liebsten! Also noch einmal hoch zu meinen mir mittlerweile bekannten Mönchen.
Kurz bevor die Zeremonie gegen 17.15 Uhr zu Ende war, schenkte mir einer der Obermönche eine Tüte voller Früchte und Gemüse. Ich habe zwar freundlich abgelehnt, aber das wurde nicht akzeptiert. Also habe ich mich herzlich bedankt und die heilige Kost mitgenommen. Dieser Tag war so faszinierend und überwältigend, dass mir mehrere Mal die Tränen in den Augen standen. Ich war so dankbar. Die Puja war für mich eine Mischung aus Trance und Energetik. Ich konnte abschalten und war kurz danach aufgedreht, als die Matras immer lauter und rhythmischer wurden. Obwohl ich kein einziges Wort verstand.
Solche Erlebnisse sind es, die mich immer wieder nach Bhutan ziehen. Genauso wie die große Gastfreundlichkeit, das ehrliche Interesse und die ganz besondere Athmosphäre, die hier herrscht.
Solche Erlebnisse sind es, die mich immer wieder nach Bhutan ziehen. Genauso wie die große Gastfreundlichkeit, das ehrliche Interesse und die ganz besondere Athmosphäre, die hier herrscht.
Den Rest des Tages bin ich noch durch die Stadt gebummelt. Leicht betäubt aber völlig geerdet.
| Ein Teil der Spenden: Kekse und Obst |
| Pause! |
| Meine neuen Freunde |
Ich bin gespannt, was die letzten Tage noch zu bieten haben. Ich versuche jedenfalls das Beste aus ihnen zu machen J
Hier noch ein paar Impressionen:
Tashi delek,
Caro
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