Der Tag der Tage! 6.30 Uhr: Heute
sollten Sarah und ich den Gletscherflug absolvieren.Trotz der frühen Uhrzeit bin ich aufgekratzt. Im fetten Nebel und mit
offener Scheibe (sonst können wir wirklich nicht sehen, wohin wir abbiegen),
schleichen wir zum Flughafen. Dort wurden wir gewogen, gaben unsere
persönlichen Daten ein und zahlten den Flug. Dann bin ich aufs Klo verschwunden
und hab nur einen kleinen Schrei vernommen.
Als ich wieder zur Rezeption kam, war klar, dass ein Platz von sieben frei geworden ist und Silja mitfliegen konnte! Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen soll :D Sarah und ich freuten uns, dass wir zu dritt das Erlebnis bestreiten können. Das Schicksal hat entschieden!
An Board waren vier Männer, wir drei Mädels und der Pilot Dan, der sich im Gegenlicht trotz Sonnenbrille während des Fluges die Hände vor die Augen nahm zum Licht-Schutz. Ich saß neben Silja, die mir während des Fluges die gute Hand zerquetschen durfte ;)
| Man beachte Siljas äußerst zuversichtlichen Todesangst-Blick :D |
Dieses Mal konnten wir leider nicht per Schere -
Stein - Papier entscheiden, wer wo sitzt. Der Pilot hatte uns Plätze zugewiesen.
Die waren aber auch ganz nett. Nach einem etwa 20-minütigen Flug
landeten wir auf dem Franz Josef Gletscher. Und ich wusste gar nicht, wo ich
zuerst hinschauen sollte.
Auf dem Gletscher lag alles voller
Schnee. Unter der Schneedecke von 1-2 Metern eine Eisschicht von etwa 400
Metern – der Gletscher. Den wollten wir vor ein paar Tagen noch durch den
anstrengenden Roberts Point Track nahekommen und jetzt, ein paar Flugminuten
später, standen wir drauf. Waaaaaahnsinn! Ich hab mich gefühlt wie ein kleines
Kind, bin durch den Schnee getobt. Freiheit.
| Wir mit dem Piloten |
Wenn man den Schnee auch nur ein bisschen beiseite schob auf dem Boden, funkelte ein blaues Licht darunter hervor wie bestimmte Eis-Bonbons. Es war surreal. Nach Snacks und warmen Getränken ging es etwa 45 Minuten später wieder zurück. Und obwohl Dan Luftlöcher angekündigt hatte, waren diese so krass, dass ich mich trotz Gurtes im kurzen Sinkflug mit dem Kopf an der Decke stieß. Da hatte selbst ich auch kurz ein bisschen Adrenalin im Körper. Arme Silja!
Da der Tag noch jung war, liefen wir
noch einen entspannten Weg im Hooker Valley von drei Stunden. Auf dem Track
kommt man bis zum Fuße des Mount Cook. Also gefühlt ;) Bevor wir wieder
losfahren wollten, hab ich es noch geschafft, mich auf dem Klo einzusperren.
Zum Glück kam ich da mit Hilfe von außen wieder zeitnah raus :D
| ein kleiner Trip durch´s Hooker Valley |
| vor uns der Mt. Cook |
Der Tag endete in Tekapo mit einer
heißen Schoki. Einen besseren Kindertag in meinem Alter könnte ich mir fast
nicht vorstellen ;)
Wieder kam der Frost uns über Nacht besuchen. Meine Lippen sind mittlerweile rau und die Haut an den Händen reißt ein. So schön es hier ist, wir sehnen uns aber auch absolut nach wärmeren Gefilden! Den See Tekapo haben wir uns auf dem Weg nach Christchurch aber nicht entgehen lassen, obwohl es leider bewölkt war und wir dadurch das krasse Blau des Sees nicht wirklich gesehen haben.
| Der See Tekapo |
| UFO-Wolken :) |
| Tekapo am nächsten Morgen |
Zurück in die Zivilisation
Nächster Halt: Christchurch! Doch
bevor wir dort auf unseren Gastgeber stoßen, haben wir einen Abstecher zur
Birdlingsflat Bay gemacht. Hier soll es ganz tolle Steine am Strand geben!
Nunja, die besten hat wohl schon der Herr gesammelt, der hier das „Gemstone&Fossil“
Museum betreibt. Er ist recht alt, es ist sein Hobby. Die Ausstellung ist
gratis, aber man kann dort auch Steine und Muscheln erwerben. Ich war absolut
fasziniert von den Dingen, die wir dort gesehen haben, und kann jedem nur einen
Besuch empfehlen! Mit dem gewissen Kleingeld
würde der gute Mann seine Sammlung auch verkaufen ;) Hier steckt so viel
Herzblut drin...
Dann weiter nach Akaroa: Einer
kleinen Siedlung mit französischem Charme. Die Wege dahin haben mich schon
wieder Nerven gekostet, denn sie waren sehr steil, kurvenrreich und ich habe kurz Queenies
Bremsleistung in Frage gestellt. Nach einer Portion Fish and Chips und ein
bisschen flanieren ging es dann über Lyttleton zurück nach Christchurch.
| Akaora |
| Christchurch |
| auch neun Jahre nach dem Erdbeben ist noch nicht alles aufgebaut |
| Couchsurfing in Christchurch |
Unser Couchsurfing-Gastgeber Carlos
war bereits zu Hause. Wir haben angekündigt, dass wir wieder kochen. Doch im
Laufe des Abends kamen dann einfach zwei weitere Couchsurfer hinzu, von denen
er nix gesagt hat. Das brachte uns in eine Zwickmühle. Zum Glück hatte die eine
davon sich bereits Sushi geholt. Also reichte unser Curry für alle. Carlos hat
dann seine Gäste einfach irgendwann allein gelassen und ist schlafen gegangen.
Okay :D Aber wir wollen uns nicht beschweren!
Der nächste Tag war ein Schlechtwetter-Tag.
Ein Glück, dass Christchurch soooo viele tolle Museen hat, die gratis sind! So
waren wir im Modern Art und Canterbury Museum. Sind dann noch über den Food
Market gelaufen (mit verdammt vielen Verlockungen) und sind weiter zu anderen
Gastgebern, weil wir bei Carlos raus mussten. In Christchurch selbst sieht es
sehr schlecht aus mit gratis Van-Plätzen – die liegen sehr weit außerhalb der Stadt
und sind auch immer gut besucht. Deshalb schauten wir uns weiter nach privaten
Kontakten um.
| Sieht größer aus, als es sich anfühlt :D |
Helen und Wallis haben mich über eine Facebook-Gruppe kontaktiert, in der ich einen Aufruf startete. Was für herzliche Menschen! Helen und Wallis kamen vor 20 Jahren aus Südafrika hierher, weil sie Neuseeland als sicherer betrachten. Und beide haben sehr von Christchurch geschwärmt! Hier hast du Meer, Berge und den internationalen Flughafen in unmittelbarer Umgebung! Recht haben sie. Sie luden uns zum Abendessen und Nachtisch ein. Wir brachten ihnen Chips und Muffins mit. Und obwohl sie uns auch ein Bett anboten, war uns das zu viel der Gastfreundlichkeit und wir schliefen wieder wie Eichhörnchenbabys in unserem eigenen Nest – in Queenie, die vor ihrem Haus stand. So hatten wir wenigstens eine ordentliche Sanitäranlage 😊
Nach dem Frühstück sind wir zurück
nach Christchurch und haben uns da noch mehr draußen umgesehen. Und nach zig
Läden, die ich bereits in den letzten drei Wochen ab und an mal durchquert
habe, um die perfekten Socken zu finden, die mir die Mädels ja zum Geburtstag
schenken wollten, war es in Christchurch endlich soweit! Also ich freue mich
wirklich über Socken als Geschenk! Und über diese ganz besonders <3.
Wir machten einen Abstecher zum Flughafen, weil meine Rückflugsituation ungeklärt war. Der geplante Rückflug am 28. Juni wurde bereits storniert. Doch Etihad hat dort und auch in keinem anderen Flughafen in NZ einen Ansprechpartner, weshalb man mich auf die Hotline verwies. Blöd nur, dass ich nicht so einfach mit meinem Handy telefonieren konnte...Die Sim-Karte war ja weiterhin nicht voll nutzbar, weil unser Paket abgelaufen war und Anrufe nach Deutschland waren auch nicht in einer Flat vorhanden…
Das Problem musste vertagt werden. War
ja noch knapp ein Monat Zeit und was sollte ich jetzt ausrichten. Etwas
frustriert hat es mich schon, aber ich muss die Dinge eben so nehmen, wie sie
sind. Vor allem in Zeiten, die so noch nie da waren. Wir fuhren noch zum
Strand, aßen Pizza in Queenie und fuhren extra zu einem Shoppingcenter (mit
Klos), um uns dort bettfertig machen zu können.
Wir hatten einen Stellplatz am Brighton Beach, an dem wir dann auch frühstückten und spazieren gingen.
Wenn wir schon mal hier waren, haben wir noch fix Sarahs Gastfamilie besucht. Sarah wollte ja eigentlich nach einem Monat Rumreisen mit uns Au Pair sein. Es ist eine Deutsche, die mit einem Kiwi verheiratet ist. Zwei Kinder, ein Hund, mega krasses Vorstadthaus. Es war sicher komisch für Sarah, aber ich fand es schön, dass wir mit durften, hatte sie doch schon so viel von denen erzählt. Am Ende sagt Sarah, dass sie es keinesfalls bereut hat, die Reise mit uns fortzusetzen. Mein Herz macht einen kleinen Sprung.
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